In einer Halle mit zwanzig Schaltschränken gibt es kein „nur kurz hineinschauen". Jede schlechte Kennzeichnung in jedem Schaltschrank kostet 30 Minuten Diagnostik, die die Produktion beim ersten Alarm bezahlt.
Die folgenden Regeln sind keine Normen — es sind Praktiken, die der zweite Techniker im selben Schrank bezahlt.
Etiketten müssen drei Betriebsjahre überstehen
Billige Papieretiketten halten 6–9 Monate im Hallenbetrieb. Öl, Staub, Feuchtigkeit, UV. Bei der ersten Kontrolle ein Jahr später sind sie unlesbar. Aluminium-Etiketten mit Gravur oder Polycarbonat-Etiketten mit Sublimationsdruck sind 5–8 € teurer pro Schaltschrank und halten 15+ Jahre.
Der Kunde sagt sich oft: „Dieser Schaltschrank kommt in den Innenraum, Papier reicht." Zwei Jahre später kommt er in einen anderen Innenraum, in dem ein anderes Klima herrscht. Etiketten fallen ab. Unnötige Diagnostik beginnt.
Der Schaltplan gehört in den Schaltschrank, nicht ins Archiv
Eine Plastik-Tasche, an die Innenseite der Schaltschranktür geklebt. Aktueller Schaltplan, ein A4-Ausdruck. Bei jeder Wiederkehrenden Prüfung wird er getauscht. Bei jeder Änderung wird er getauscht.
Im Archiv können tausend Versionen liegen. Beim Alarm um vier Uhr morgens steigt niemand ins Archiv ein — er schaut in den Plan aus der Tasche.
Kosten: 30 Sekunden bei jedem Eingriff. Nutzen: bei jedem zweiten Eingriff.
Kabel werden auch in der Mitte der Trasse beschriftet
Kunde: „Die Kabel sind am Ende beschriftet." Im Schaltschrank ja, am Gerät ja. In der Kabeltrasse dazwischen nicht. Und wenn jemand Kabel bei einer Renovierung durch die Wand zieht, weiß er nur, dass es „irgendein Kabel aus Schrank 4" ist.
Trassenmarkierer alle 5 Meter kosten 0,30 € pro Stück. Bei einer 200-m-Trasse sind das etwa 12 €. Günstiger als 2 Stunden Suche, wohin das Kabel eigentlich führt.
Ersatzkomponenten werden in schriftlicher Form übergeben
Drei Reserve-Leitungsschutzschalter, zwei Reserve-Schütze, ein Mess-Stromwandler. Stück für Stück im Lieferschein angegeben, physisch verpackt in einer gekennzeichneten Box an der Innenseite der Tür befestigt.
Wenn Ersatzkomponenten im Firmenlager „vergessen" werden, ist beim ersten Defekt das Teil mindestens 2 Tage Fahrt entfernt. Bei spezifischen Komponenten (spezielle Schutzorgane, Custom-SPS-Module) können es 6–8 Wochen sein.
Schaltpläne nach Funktion, nicht nach Physik
Klassischer Fehler: Der Schaltplan zeigt genau, wo was physisch im Schrank liegt. Sieht hübsch aus, aber bei der Diagnostik müssen Sie wissen, was mit was funktional zusammenhängt — nicht, wer physisch neben wem liegt.
Funktionale Aufteilung der Pläne: ein Blatt pro Signal (z. B. „Temperaturregelung 1"), darin alles vom Sensor über die Steuerung bis zum Ausgang. Zweites Blatt pro Leistungsstromkreis. Drittes pro Kommunikation. Bei Alarm „T1 reagiert nicht" greifen Sie zum Blatt, wo T1 ist — ohne Suchen.
Norm vs. Praxis
DIN EN 60204-1 spricht über Kennzeichnung. STN/ČSN 33 2000-x spricht über Kennzeichnung. STN EN 61346 (entspricht DIN EN 81346) spricht über Kennzeichnung. Keine davon sagt etwas darüber, was in drei Jahren bei der Wartung im Zweischichtbetrieb passiert.
Die obigen Regeln stehen nicht über den Normen. Sie stehen hinter den Normen. Nach Erfüllung der Normen beginnen die anfänglichen Praktiken, die darüber entscheiden, ob ein Schaltschrank angenehm oder unangenehm zu warten ist.
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*Praktiken entwickelt durch hunderte Installationen in Hallen in vier Ländern. Einige davon entstanden aus Post-Mortem-Analysen eines Kundenausfalls, den wir gelöst haben — die Regel „Schaltplan in der Plastik-Tasche" kam nach dem ersten Nachteinsatz, bei dem wir keinen Plan hatten.*